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13.10.2013
Braunschweiger Zeitung
Bacha Posh - Das Geheimnis
Lehrstück über Frauenleben
Das Theater Anke Bergerzeigte beim Festival Weitblick ein sozialpolitisches Stück. Von Marianne Winter Braunschweig. Bilder, die im Kopf bleiben und die Gedanken beschäftigen,bilden den Kern des Figurenstücks über zwei kleine Mädchen aus Afghanistan, das bei "Weitblick", dem internationalen Festival im Theater Fadenschein, Premiere hatte. In einer Koproduktion mit dem Theater Martina Couturier aus Berlin hat das Theater Anke Berger aus Braunschweig ein sehr nachdenkliches Lehrstück zum Thema Frauenleben unter dem Regime der Ta1iban erarbeitet. Frei nach dem Roman "Die Sonne im Gesicht" von Deborah Ellis wird in "Bacha Posh - Das Geheimnis" eine wahre Geschichte erzählt. Karge Requisiten und etwas arabische Musik genügen, um die Handlung im fernen Land zu imaginieren, wo zwei Kinder notbedingt versuchen, den Lebensunterhalt der Familien zu verdienen. Das eine bietet heißen Tee an, das andere seine Lese- und Schreibkenntnisse. Beide inmitten des lauten Markttreibens, einer reinen Männerwelt. Ihr Geheimnis: Sie sind Mädchen in Maskerade und Gehabe von Jungen, sogenannte Bacha Poshs. Bei Entlarvung droht ihnen die Steinigung. Aus dem Off ist die Stirmne des Gesetzes zu hören mit all jenen Geboten, denen sich vor allem Frauen zu unterwerfen haben. Verschwunden unter dem Textilgefängnis der Burka und im Haus des Mannes verlieren sie ihre Persönlichkeit und Lebensfreude. Mit neuen Handlungseinschüben bricht das Stück diese Tragik auf, verweist auf den großen Mut, auf eine existierende Frauenbewegung im Untergrund, erste.Politikerinnen, auf eine beliebte Fernsehserie nach westlichem Vorbild. Handpüppchen spielen eine absurde Szene, deren makabrer Humor noch gesteigert wird durch drei verhüllte Mädchen, die sich tanzend und tobend als rockende Burkas mit Handy und Sonnenbrille zur jubelnden Freude des Schülerpublikums ganz als ihresgleichen erweisen. Ein wunderbares Gegenbild gelingt der Inszenierung durch die Figur der Seele oder der ursprünglichen Natürlichkeit der Mädchen, die von einer Tänzerin (Verena Wilhelm) in raumgreifenden Arabesken getanzt wird. Dieses Alter Ego schwingt frei durch alle Handlungsabläufe, tastet sogar den Lebenskäfig der kleinen Puppenprotagonistin ab, die sich ergeben, aber sicher nicht für alle Zeiten die Zelle mit ihr teilt. Unter der Regie von Christian Weiß ist den Spielerinnen ein Theaterstück von sozialpolitischer Aktualität gelungen, das mitseinen anachronistischen und zugleich lebensbejahenden Bildern zu Diskussionen anregen wird.