Pressespiegel
theater logo Produktionen RegieFigurenbau Workshop Über uns Förderer KontaktPresse
05.12.2008
Braunschweiger Zeitung
Die Sterntaler
Theater Anke Berger DIE STERNTALER Gastspiel im Figurentheater Fadenschein
uch wenn 70 lebhafte Kinder den Raum besetzen – schon drei Worte von Anke Berger lassen sie mäuschenstill werden. Dazu braucht sie weder ihre Stimme zu erheben noch gestenreiche Beschwörungen anzuwenden. Sie erzählt nur ein Märchen und verbindet es mit wenig Requisiten zu einem Figurenspiel. Wer das beherrscht, ist ein charismatischer Menschenfänger. Und von wegen die Geschichte kennen wir ja schon längst, wie öde ! Das arme Mädchen, dem nur ein Hemdchen bleibt und das güldene Taler, reines Sternengold für sein mitfühlendes Handeln erhält, beginnt ganz, ganz anders : mit einen klimpernden Beutel voller Steinen. Von Generationen weitergereicht. Anke Berger erzählt und läßt Kartoffelstein, Mondstein, Saurierstein und viel anderes geschichtsträchtiges Gestein in die Hände der Kinder wandern. Wandert selbst auf die Bühne, erschafft Himmel, Mond, ein Mägdelein im Wald, verwandelt Steine zu bettelarmen Bewohnern, die in trocken Brot und Strickmützchen dankbar lebensrettende Maßnahmen erkennen. Für die Vorschulkinder ist das alles nachvollziehbar und lebendig, zumal die Puppenspielerin sie ernst nimmt, jede Kindertümelei vermeidet, mit knappen Sätzen und Liedzitaten die Situation klärt. Ihre ruhige Stimme kann den Figuren verschiedene Tonlagen und Temperament verleihen, mit Sprache spielen, Melodien zu poetischer Einstimmung aufbauen. Daneben braucht es nicht mehr als einen kleinen Ballon zu entzünden, der Mond und Gestirn vor der Dunkelheit markiert und eines großen Sterns als Tisch und Himmelszelt, aus dem das Wunder des glitzernden Goldsegens rieseln wird. Alles schafft sie im Alleingang mit unsichtbaren Spielertricks, unter der Regie von Irene Beeli und Margrit Gysin, der Anke Berger auch ihre Ausbildung verdankt. Das schwarze Leinengewand, daß ihre Gestalt nebensächlich werden läßt, um die Konzentration auf die Stimme zu lenken, erfand die Kostümbildnerin Bärbel Rabold. Exemplarisch wird in diesem Märchenspiel vom Sterntaler der ethische Kern veranschaulicht. Nur das Ende wünschte man sich erdnäher, handfester, wohltätiger. Aus dem armen Mädchen hätte die Frau Caritas werden können anstelle einer, die einfach im Himmel verschwindet. Faszinierend bleibt das Angebot an jedes Kind, sich auch im Kinderzimmer mit vorhandenen Gegenständen eine Welt zu erfinden, um sie ergründen und beherrschen zu lernen. Marianne Winter Vorstellungen noch bis 6.12. Kaum noch Karten zu haben.